Dienstag, 19. August 2014
Fast schon unheimlich, wie unsere Kavallerie derzeit marschiert - zunächst lief Prince trotz unglücklichem Rennverlauf in der Trophée Vert mit schönem Endspurt auf Rang vier, dann siegte Timoa als Favoritin und schliesslich nur eine halbe Stunde nach ihr auch noch Cherry gegen Top-Gegner.
Das war so nun wirklich nicht zu erwarten. Zwei Allegra-Sieger innert 30 Minuten. Der erste von Timoa war keine so grosse Überraschung, aber ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit. Dass dann aber auch Cherry gegen sehr starke Gegner (darunter vier Jockey-Club-Kandidaten) gewann, darf schon fast als eine kleine Sensation bezeichnet werden. Auch wenn Urs sehr zuversichtlich war, und Astrid Wullschleger ebenfalls... Nicht auszudenken, wenn Prince in der Trophée Vert eine "Lokomotive" gefunden hätte, die ihn weiter als nur bis in den letzten Bogen gezogen hätte. Aber alles der Reihe nach.
- Gleich nach Timoa kam noch Cherry. "Mutig" hatten es einige Experten bezeichnet, dass wir mit unserem Elfjährigen gegen so starke Gegner wie Fabrino, Maroosh oder den Jockey Club-Sieger Halling River antreten. Doch Urs war zuversichtlich und fand, Cherry brauche sich nicht zu verstecken. Ein Rang zwischen Timoa und Prince, also 2. oder 3., so fanden wir im Führring vor dem Rennen, wäre wunderbar.
Was folgte, war ein Bummelrennen, was Cherry überhaupt nicht entgegen kommt. Er, der schon in schnell gelaufenen Rennen immer sein "Loch" hat, das es zu überwinden gilt, war unterwegs der Coolste von allen (wie Speaker Denis Roux mehrmals bemerkte). Als die Post im letzten Bogen abging, konnte Cherry nicht so schnell beschleunigen, war um zwei, drei Längen Letzter. "Ich hatte mir Rennfilme von ihm angeschaut und gesehen, dass er mehr Speed hat, wenn man ihn im letzten Bogen noch in Ruhe lässt", erklärte Astrid Wullschleger diese Phase. Und die in blendender Form reitende Bündnerin bekam recht. In der Zielgeraden sprintete Cherry wie ein Jungspund, machte Meter um Meter wett und griff am Ende sogar noch den führenden Lumisson innen an. Es wurde ganz knapp, doch auf dem Zielstrich hatte Cherry es tatsächlich um Nase geschafft.
"Vor dem Rennen war ich schon etwas nervös", gestand Astrid Wullschleger, "denn ich dachte nach dem letzten starken Laufen, dass wir nochmal gewinnen könnten. Im Ziel dachte ich, es habe vielleicht nicht gereicht. Denn Aurélien Rousse auf Lumisson hat so stark gejubelt". Es reichte. Und Cherry hat in seiner zweiten Karriere (nach seiner langen Überbein-Pause) nun sage und schreibe 7 Rennen gewonnen, zwei mehr als zuvor in Frankreich. Dies nun als Elfjähriger gegen Pferde, Anfang September in Dielsdorf im Grand Prix Jockey Club um 100'000 Franken laufen und wohl für Furore sorgen werden. Für diesen Sieg bekam Cherry vom Handicapper 3.5 Kilo Aufgewicht, womit er nun mit 81 Kilo so hoch eingestuft ist wie nie zuvor - nach seinem Quinté-Sieg im März 2007 (!) stand er bei 79.5... Ein schöneres Kompliment gibt es kaum für Urs.

Cherifos (ganz rechts mit Astrid) schlägt Lumisson und Fabrino sensationell (S.Schär)

Die Freude steht allen ins Gesicht geschrieben: Bravo Cherry, Astrid und Urs (Katrin Monstein)
Filmmaterial ist vorhanden - nur muss jemand mal Zeit finden, das zu verarbeiten...