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Wir sind traurig: Für unseren Playboy gab es trotz grossem Kampf keine Rettung mehr

30.12.2014 21:29:09

Mehr als zwei Monaten haben wir zusammen mit Spezialisten um Playboy gekämpft, der seinerseits auch bravourös mitgemacht hat. Heute nun, am zweitletzten Tag des Jahres 2014, haben wir akzeptieren müssen, dass dieser Kampf nicht zu gewinnen ist. Es tut enorm weh, unseren Champion nicht mehr auf dieser Welt zu wissen.

Manches ist nur sehr schwer oder gar nicht zu begreifen. Wieso ein fünfjähriger, bis dahin kerngesunder Hengst von einem Tag auf den anderen zum Langzeitpatienten wird und schliesslich trotz allen Anstrengungen von seinen Schmerzen erlöst werden muss, gehört in diese Kategorie. 

 

Wir hatten von den Hufverletzungen berichtet, die Playboy Mitte Oktober in Italien erlitten hatte. Nach wie vor ist für uns alle völlig unklar, was genau damals passiert ist. Die Geschichte mit dem Weideunfall, die Wim uns erzählt hatte, kann hier niemand glauben. Doch das ist ein anderes Thema (das wir nicht ruhen lassen werden; mehr dazu zu gegebener Zeit). 

 

Playboy kurz vor seiner Abreise in Italien: Er war das geborene Reisepferd, liebte Autofahren geradezu.

 

Nachdem wir erfahren hatten, dass Playboy sich verletzt hatte, fuhren wir am nächsten Wochenende nach Italien und holten ihn zur weiteren Behandlung in die Schweiz. In der Pferdeklinik Neugraben in Niederlenz kümmerte sich das Team rund um Dr. Christian Czech seither intensiv und mit viel Hingabe um unseren Crack. Mitte November sah es soweit gut aus. Wir durften sogar an Reha-Pläne denken. Doch im Dezember verschlechterte sich der Zustand von Playboys Huf zusehends. Trotz noch intensiveren Behandlungen und höheren Dosierungen der Schmerzmittel.

 


Hier ist die Funktionsweise der "Hufrolle" ersichtlich, mit dem Strahlbein als Umlenkrolle für die tiefe Beugesehne.

 

Am Ende erwies sich ein ausgesprochen ungünstig platziertes (auf keine Weise von aussen erreichbares), kleines Ödem unterhalb des Strahlbeins, vielleicht so gross wie eine Erbse, als fatal. Ein Teil des Strahlbeins, ein für Pferde gewissermassen lebenswichtiger Knochen, begann durch den ständigen Druck abzusterben. Das Strahlbein fungiert als Umlenk-Rolle für die Tiefe Beugesehne, die durch den Defekt darin auch bereits grossen Schaden genommen hatte.

 


Unser Vertrauenstierarzt Christian Czech - hier beim allerersten Untersuch nach der Ankunft aus Italien mittels Ultraschall - tat alles Mögliche (und noch ein bisschen mehr) für Playboy. Danke!

 

Christian Czech, dem wir an dieser Stelle wie auch seinem Team herzlich für alles danken, hatte zu Beginn gesagt: "Wir glauben an eine Heilung, bis uns jemand das Gegenteil beweist." Nach einem neuerlichen MRT sahen die Befunde leider dramatisch schlechter aus und Christian sagte, nun habe das Gegenteil uns eingeholt.

 

Das Team der Tierärzte war sich einig, dass es für Playboy keine Rettung mehr gebe. Ein Leben mit einem Klumpfuss (bestenfalls, bei nicht weiter fortschreitendem Absterben des Strahlbeins) und ständigen Schmerzen (tiefer Knochenschmerz) war ihm nicht zuzumuten. "Das ist die Summe von unterschiedlichen Beurteilungen, unabhängig voneinander. Von Kollegen innerhalb und ausserhalb unserer Klinik. Es gibt 100 Prozent Konsens darüber", erklärte uns Christian Czech die niederschmetternde Auswegslosigkeit der Situation.

 


Nie mehr wird Playboy mit seinen schnellen Beine über die Rennbahn fliegen. (Foto: Scarlett Schär)

 

Der Entscheid fiel uns enorm schwer. Denn Playboy war wie auf der Rennbahn stets aufs Neue bereit zu kämpfen. Es gab kein "Klinikkoller" bei ihm (wie ihn viele Pferde bei mehrwöchigen Aufenthalten haben), er war trotz Schmerzen immer aufgestellt, er frass gut und seine Augen fragten immerzu, wann und wo das nächste Abenteuer warte. Jeden Untersuch (wir haben die Röntgenbilder nicht mehr gezählt...) schien ihn sogar zu freuen und in der Klinik war er längst zum Liebling avanciert.

Doch in dieser Situation hatten wir keine andere Wahl mehr, als ihn von seinen Leiden zu erlösen. "Mir blutet das Herz, ich habe diesen Playboy richtig gern bekommen", so Christian Czech, "sogar mein sechsjähriger Junge kennt seinen Namen und versteht nicht, wieso Papa ihn nicht heilen kann." An solchen Tagen ist der Job eines Tierarztes definitiv alles andere als ein Traumberuf.

 

Nun ist Playboy nicht mehr auf dieser Welt. Wir sind überzeugt, dass er dort, wo er jetzt ist, wieder ohne Schmerzen herumtollen und andere zum Wettrennen auffordern kann. Vielleicht findet er ja irgendwo auf der grossen Weide Jully und Guns 'n Roses, die beiden anderen Allegra-Pferde, die während ihrer Karriere fatal verunfallten.

 

Noch ist die Trauer und der Schmerz gross. Irgendwann werden wir in Gedanken an Playboy mit einem Lächeln an die wunderschöne (aber leider viel zu kurze) Zeit denken, die wir gemeinsam verbringen durften. Wir alle werden diesen tollen Kerl, der immer gut gelaunt war, nicht vergessen. Selbst als wir uns von ihm verabschiedeten, hat er versucht, uns durch irgendwelche Faxen wieder aufzuheitern. Als wolle er uns sagen, wir sollen nicht traurig sein.

 


Playboy tat alles, um an die Rüebli zu kommen - die Mandarinen von Katrin verschmähte er aber (ganz wie Markus: was der Bauer nicht kennt, dass kommt ihm nicht in den Mund...).

 


Nach der Rüebli-Apfel-Session gab es Znacht: Mash, wie man an der verschmierten Nase unschwer erkennen kann.

 

So behalten wir ihn in Erinnerung, zusammen mit den unvergesslichen Glücksmomenten auf der Rennbahn. In Avenches bleibt er ungeschlagen (es gibt wohl kein anderes Pferd, das dies bei drei Starts dort behaupten kann).

Sein letztes Rennen war das Regen-Rennen in der Meisterschaft, wo Playboy bei seinem Gras-Debüt als bester "Barfuss-Läufer" hinter drei Pferden mit Eisen sehr guter Vierter wurde (und dabei unmittelbar nach dem Rennen nichtmal ein klein wenig ausser Atem war...).

Danach wollten wir mit ihm in Italien grosse Ziele anvisieren. Am Vormittag des Vorbereitungsrennens zwei Wochen vor einem geplanten Gruppe-I-Auftritt erzählte uns Wim von der Verletzung.

 


Wenn er auf die Bahn kam, war er der Chef: In Avenches münzte Playboy all seine drei Starts in Siege um: Hier machte er vor seinem letzten Sieg Ende Juni Eindruck...

 

Wir wissen alle, dass Träume gerade im Rennsport jäh enden können. Dass wir Playboy nun aber auf diese Weise hergeben müssen, ist schon enorm schmerzhaft.

 

"Bonne retraite aux vieux... l'avenir appartient aux jeunes", das schrieb uns die Suisse Trot-Sekretärin Simone Theureau im Juni bei der Streichung von Noci und Quito aus dem Rennregister. Das fanden wir sehr schön formuliert. Nie hätten wir gedacht, dass nur ein halbes Jahr später unser erst fünfjähriger Klasse-Traber gehen muss. Er, dem ja eben genau diese Zukunft gehört hätte.

 

Adieu Playboy.

 

 


Goodbye Playboy, Du fehlst uns.

 

 

Ein Abschiedsfilm folgt später, irgendwann zu Beginn des neuen Jahres.

 


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